Die neue Barbie öffnet den Diskurs um weiblichen Autismus

In den letzten Jahren hat Mattel mit seiner Fashionistas Reihe bewiesen, dass Schönheit viele Gesichter hat. Von Barbies im Rollstuhl bis hin zu Puppen mit Vitiligo oder Down-Syndrom ist das Ziel klar. Jedes Kind und jeder Erwachsene soll sich im Spielzeugregal wiederfinden können. Mit der Veröffentlichung der ersten Barbie mit Autismus geht der Spielzeughersteller nun einen weiteren emotionalen Schritt in Richtung neurodivergenter Sichtbarkeit.

Für mich persönlich ist diese Puppe mehr als nur ein Sammlerstück. Sie ist ein Zeichen dafür, dass wir gesehen werden. Doch während ich mich tief verbunden fühle, ist es wichtig, eines zu betonen. Autismus hat kein einheitliches Gesicht.

Ein Spiegelbild mit Liebe zum Detail

Was die neue Autismus-Barbie so besonders macht, sind die Details, die in enger Zusammenarbeit mit dem Autistic Self Advocacy Network entstanden sind. Es wurde nicht einfach nur ein Label vergeben. Man hat stattdessen versucht, spezifische autistische Erfahrungen haptisch und visuell greifbar zu machen.

Ein besonderes Merkmal ist der seitliche Blick der Puppe. Viele Autistinnen und Autisten empfinden direkten Augenkontakt als intensiv oder überfordernd, weshalb der Blick der Puppe leicht zur Seite gerichtet wurde. Zudem verfügt die Puppe über zusätzliche Gelenke an Ellbogen und Handgelenken. Dadurch kann sie Bewegungen wie das Hand Flapping imitieren, was eine wichtige Form der Selbstregulation darstellt.

Auch die Accessoires sind durchdacht gewählt. Mit dabei sind pinke Noise-Cancelling-Kopfhörer gegen Reizüberflutung, ein funktionierender Fidget Spinner und ein Tablet mit Symbolkommunikation. Dies spiegelt die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten wider. Die Kleidung besteht aus einem locker sitzenden, lila-weiss gestreiften Kleid, das Rücksicht auf sensorische Empfindlichkeiten gegenüber engen Stoffen oder kratzigen Nähten nimmt.

Warum ich mich repräsentiert fühle

Wenn ich diese Barbie sehe, spüre ich eine Form der Validierung. Es ist das Gefühl, dass Eigenheiten, die man früher vielleicht verstecken wollte, nun in den Mainstream rücken. Das Tragen von Kopfhörern in der Öffentlichkeit oder das Nesteln an einem Fidget Toy wird durch solche Produkte normalisiert. Es macht diese Hilfsmittel zu dem, was sie sind, nämlich wertvolle Werkzeuge für unseren Alltag.

Eine Puppe kann nicht das ganze Spektrum sein

Trotz meiner Begeisterung ist eine Differenzierung essenziell. Autismus ist ein Spektrum. Das bedeutet, dass es keine zwei autistischen Menschen gibt, die exakt dieselben Merkmale teilen. Manche von uns lieben engen Druck statt lockerer Kleidung. Manche sind hochgradig verbal, während andere auf unterstützte Kommunikation angewiesen sind. Eine einzige Puppe kann niemals die Komplexität und Individualität einer ganzen Bevölkerungsgruppe abbilden.

Die Autismus-Barbie ist nicht die Repräsentation für alle Autistinnen und Autisten, aber sie ist ein wichtiger Ankerpunkt für die Diskussion. Es wäre falsch zu erwarten, dass diese eine Puppe nun abschliessend erklärt, wie Autismus aussieht. Vielmehr zeigt sie eine mögliche Realität und schafft so einen Raum für Austausch.

Ein Gesprächsöffner für die Gesellschaft

Mattel hat hier keine perfekte Lösung geschaffen, aber etwas viel Wertvolleres, nämlich Diskurs. Die Puppe regt dazu an, über Barrierefreiheit, sensorische Bedürfnisse und Neurodiversität zu sprechen. Das geschieht nun bereits im Kinderzimmer.

Für mich ist die Autismus-Barbie ein Symbol des Fortschritts. Sie ist eine Einladung an die Welt, genauer hinzusehen und zu verstehen, dass anders sein ein fester Bestandteil unserer menschlichen Vielfalt ist. Repräsentation ist ein Prozess und diese Puppe ist ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung.


Was denkst du über die neue Barbie?

Findest du dich in den Details wieder oder hättest du dir andere Merkmale gewünscht? Lass uns in den Kommentaren darüber diskutieren, wie echte Inklusion für dich aussieht.

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