Meine Superkraft heisst ADHS

Ich möchte ehrlich sein, ich war nicht sonderlich verwundert, als mir vor zwei Wochen die Diagnose gestellt wurde. Vermutet habe ich es seit Jahren. Und wirklich angefangen, mich zu nerven, hat es, als ich mit dem Coaching anfing. Ich muste für mich einen eigenen Rahmen schaffen und ich scheiterte kläglich über ein Jahr.
 
Wo setzt Frau da an? Bisher hatte ich mich nie daran gestört, dass in meinem Kopf gefühlt 1000 Fenster offen waren in drei verschiedenen Zeitzonen, dazu noch Hintergrundmusik. Aber jetzt so ohne Rahmen und jemanden, der etwas von mir erwartet, gemäss Stellenbeschreibung kam ich ins Stolpern. Ich stolperte über meine eigenen Gedanken. Ich fiel meiner Kreativität und meinem Ideenreichtum zum Opfer, denn schliesslich musste ich mich entscheiden, was genau ich anbieten würde und in welchem Rahmen.
 
Neurotypische Menschen würden sich einen Schritt für Schritt Plan erstellen und den dann abarbeiten. Wo fing ich an? Da, wo mich meine Lust hinführte: Online mit dem Webauftritt, noch bevor ich das erste Diplom hatte oder ein Angebot. Ich weiss, für viele Menschen macht das 0 Sinn, aber das war das, worauf ich Lust hatte. Lust, das ist das Prinzip, nachdem ich funktioniere. Wir alle wissen, wie schwierig es ist, immer nur das zu tun, worauf man Lust hat. Die Welt funktioniert leider nicht so, oder doch? 
 

Alles ist ein Spiel

 
Ich habe mir einen Beruf ausgesucht, intuitiv, der mit meinem neurodiversen Gehirn im Einklang steht. Also mein Erstberuf als Kindererzieherin und den Beruf als Coach auch. Denn alles muss spielerisch sein, kreativ, es muss mich interessieren, ich muss dafür brennen, wie man so schön sagt. Alles in einem ergibt das also ein rundes Bild. Ich habe in den letzten 20 Jahren Kinder begleitet, durfte durch ihre Augen sehen, täglich Neues erleben und spielen. Spielen ist Lernen und für mich war und ist es immer noch ein Antrieb. Spielen macht Freude, Spielen schafft Lust. Menschen helfen sich zu entwickeln ist meine Leidenschaft, dabei ist es völlig egal, wie alt diese Menschen sind. Das Gehirn ist bis ins hohe Alter lernfähig, es ist ein Muskel. Auch in meinem Wirken als Coach kann ich kreativ sein, spielerisch die Menschen begleiten.
 

Wenn ich «spiele» vergesse ich alles um mich herum

 
Im Hyperfokus, dass heisst wenn ich in der Tätigkeit versinke, die ich liebe, vergesse ich alles um mich herum. Ich vergesse zu essen, ich vergesse zu trinken, ich bin absolut im Flow absorbiert und gehe in meiner Tätigkeit auf. Konzentration und Fokus über 10 Stunden? Kein Problem, wenn es mich interessiert.
 
Das Problem ist eher, dass ich diesen Hyperfokus leider nicht steuern kann. Er kommt, wann er will und bleibt so lange er will. Auch bin ich immens belastbar, wenn ich etwas tue, dass ich liebe, wofür ich brenne.

Voller Energie

 
Meine Energie scheint unendlich, bis sie sich erschöpft und auch ich erschöpft in mich zusammenbreche und an die 12-14 Schlaf brauche um mich zu erholen. Dann ist die Batterie wieder voll. Wenn andere von Burn-out sprechen nach regulären 50 Stunden Arbeitswochen, kann ich als Nanny nur lächeln. Es macht mir nichts. Wirklich nicht. Mein Energielevel ist einfach höher als manch andere fast 38-jährige Frau. Nebenbei Weiterbildungen, Privatleben, Hobbys, vor Corona am Wochenende 2 Nächte durchtanzen? Kein Problem. 

Medikation schafft Fokus- Das Leben mit Ritalin 

 
Mit der Diagnose kam auch die Medikation, die ich mir gewünscht habe. Denn mit den ganzen Hobbys, Weiterbildungen und immer dem Gefühl, dass der Tag zu kurz ist – so kann man keinen Rahmen schaffen. Weil der Fokus fehlt, die Konzentration und die Fähigkeit fehlt langfristig zu planen. Was soll ich sagen? Seit 1.5 Wochen mit Methylphenidat, dem Wirkstoff in Ritalin, geht es mir blendend. Ich kann endlich all die Sachen am PC erledigen die ich seit Monaten vor mich hinschiebe.
 
Bin ruhiger im Kopf, meine Gedanken sind geordnet, meine Synapsen befeuern mich nicht mit 1000 Gedanken gleichzeitig. Das ist Urlaub für mich, Urlaub im Gehirn. Auch mein Dauerhunger ist weg, ich esse nur noch, wenn ich Hunger habe. Bevor ich meinem ADHS auf die Pelle rückte mit dem Medikament, hatte ich das Gefühl, ich hätte dauernd Hunger und würde nie satt werden. Vor allem auf Süsses. Dabei war das nur mein Gehirn, das nach Dopamin lechzte. Mittlerweile finde ich Süsses richtig ekelhaft. Was mich selber sehr erstaunt. Ich war eine richtige Naschkatze.
 
Keine Angst, vor «Abhängigkeit» 
 
Einige in meinem Umfeld fragten, ob ich nicht Angst hätte, von Ritalin abhängig zu werden. Würden wir das gleiche Fragen, wenn jemand Insulin bräuchte für ein normales Leben oder eine Brille? Nein. Für Menschen wie mich ist der medizinische Fortschritt ein Segen. Mittlerweile bereue ich es nicht früher zur Abklärung gegangen zu sein. Meine Lebensqualität hat sich immens verbessert. Die innere Unruhe ist weg, ich kann mich endlich konzentrieren, wenn ich muss. Denn das Leben besteht nicht nur aus Sachen, die mir Lust verschaffen.
Ich muss mich nun für all diese Dinge nicht aufraffen oder mich stundenlang mental darauf vorbereiten. Ich denke dran und  kann es gleich tun. Menschen mit ADHS haben ein Problem mit ihren exekutiv Funktionen; das sind geistige Prozesse, die das Verhalten, die Aufmerksamkeit und die Gefühle gezielt steuern.  Es handelt sich dabei um das Arbeitsgedächtnis, die Inhibition und die kognitive Flexibilität.  Bisher schaffte ich alles aus der Angst heraus, in den Augen meiner Mitmenschen nicht als Versagerin dazustehen, mein Perfektionismus trieb mich an.
Doch wir wissen alle, dass das streben nach Perfektionismus unglücklich macht. Ich freue mich nun auf das nächste Kapitel in meinem Leben und werde weiterhin berichten wie es läuft. Denn ADHS bei Erwachsenen halten viele immer noch für einen Mythos. Mit dem gilt es aufzuräumen. 

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