Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass ADHS „nur im Kopf“ stattfindet. Tatsächlich ist der Körper das Fundament, auf dem unsere Neurochemie aufbaut. Wenn du mit ADHS diagnostiziert bist oder den Verdacht hast, ist ein tiefer Blick auf deine Blutwerte und ein EKG, sowie der Schilddrüsen-check kein „nice-to-have“, sondern essenziell.
Hier ist der Grund, warum ein umfassender Check-up dein Gamechanger sein kann:
1. Das Blutbild: Die Treibstoff-Analyse
Bevor wir an den Neurotransmittern schrauben, müssen wir sicherstellen, dass die Baustoffe da sind. Viele ADHS-Symptome überschneiden sich mit Mangelerscheinungen. Beim Check-up sollte der Augenmerk auf folgende Werte gerichtet sein:
- Eisen (Ferritin): Eisen ist ein Co-Faktor bei der Dopaminsynthese. Ein niedriger Ferritinwert kann Unruhe und Konzentrationsstörungen massiv verschlimmern.
- Zink & Magnesium: Beide sind wichtig für die Regulation von Dopamin und die Beruhigung des Nervensystems. Ein Mangel führt oft zu Reizbarkeit und Schlafproblemen.
- Vitamin D & B-Vitamine: Vitamin D wirkt eher wie ein Hormon und beeinflusst die Stimmung. B-Vitamine (besonders B6, B12 und Folsäure) sind die „Nervennahrung“.
- Omega-3 & 6: Das Gehirn benötigt das richtige Fettverhältnis, um Entzündungen zu vermeiden und kognitive Funktionen zu stützen.
- Schilddrüse: Eine Fehlfunktion kann ADHS-Symptome perfekt imitieren oder massiv verstärken.
2. Der „Störfaktor“ Histamin, die Perimenopause & der Darm
Ein Punkt, der oft übersehen wird, ist die Histaminintoleranz und deren enge Verbindung zum Darm und zu Hormonen.
- Symptome: Neben Herzrasen, Schlafstörungen und Angstzuständen sind Magen-Darm-Beschwerden (wie Blähungen, Bauchschmerzen oder plötzlicher Durchfall nach dem Essen) klassische Anzeichen.
- Der Darm-Hirn-Zusammenhang: Ein entzündeter oder gereizter Darm belastet das Nervensystem zusätzlich. Wenn Histamin nicht richtig abgebaut wird, feuert das System ununterbrochen „Alarm“. Entzündungen im Körper verstärken die ADHS Symptome.
- Der Hormon-Faktor: In der Perimenopause – die bei ADHS-Betroffenen oft schon ab 30 Jahren schleichend beginnt – sinkt der Progesteronspiegel. Da Progesteron den Abbau von Histamin unterstützt, kann eine Unverträglichkeit in dieser Phase plötzlich eskalieren. Was du für eine Verschlimmerung deines ADHS hältst, ist vielleicht eine hormonell bedingte Histamin-Last, die sich auf deinen Körper und deine Psyche schlägt.
- Hormonersatztherapie: Da Östrogen einen direkten Einfluss auf die Verfügbarkeit von Dopamin im Gehirn hat, erleben viele ADHS-Frauen mit Beginn der hormonellen Umstellung einen massiven Einbruch ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit. Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann hier ein entscheidender Baustein sein. Durch die Stabilisierung des Hormonspiegels – insbesondere durch die Gabe von bioidentischem Progesteron und Östrogen – können nicht nur die Histaminlast gesenkt, sondern auch die ADHS-Symptome wieder besser kontrollierbar gemacht werden. Für Betroffene bedeutet das oft: weniger Brain Fog, eine stabilere Stimmung und eine verbesserte Wirkung der ADHS-Medikamente, die in der hormonellen Achterbahn oft ihre Effektivität verlieren. Ein frühzeitiges Gespräch mit einer gynäkologischen Fachpraxis, die auf Hormone und Neurodivergenz spezialisiert ist, ist daher absolut ratsam. Mein persönlicher Erfahrungsbericht kann hier nachgelesen werden.
3. Warum ab zur Kardiologie?
Ein EKG und ein Besuch bei der Kardiologin sind aus zwei Gründen wichtig:
- Sicherheit bei Medikation: Die meisten ADHS-Medikamente (Stimulanzien) wirken auf das Herz-Kreislauf-System. Ein Basis-EKG ist Pflicht, um sicherzustellen, dass dein Herz bereit für die medikamentöse Therapie ist.
- Abgrenzung: Herzrasen und Palpitationen können Symptome von Angst sein, aber eben auch von Histamin oder physischen Herzthemen. Klarheit schafft Sicherheit.
Ganzheitlich statt nur „psychisch“
ADHS-Management bedeutet, das gesamte System zu verstehen. Wenn du deine Nährstoffe optimierst, Entzündungen durch Histamin reduzierst, auf deine Darmgesundheit achtest und dein Herz checkst, gibst du deinem Gehirn erst die Chance, stabil zu funktionieren.
Wichtiger Hinweis: Lass dir beim Blutbild nicht nur sagen „alles im Normbereich“. Bei ADHS-Betroffenen sind oft Werte im oberen Drittel des Normbereichs (besonders bei Ferritin und Vitamin D) erstrebenswert.
Mein nächster Vortag widmet sich der Perimenopause bei neurodivergenten Frauen und beleuchtet die hier genannten Themen noch tiefer.
NEURODIVERGENZ UND PERIMENOPAUSE
Symptome der Perimenopause können betroffene Frauen schon ab 30 Jahren spüren, dazu gibt es Studien.
Doch wie machen sie sich bemerkbar?
Kann frau vorbeugend schon Massnahmen ergreifen?
Was bedeutet diese Phase im Leben einer neurodivergenten Frau genau und welche Massnahmen sollten frühzeitig ergriffen werden?
Welche Rolle spielen Hormone bei der Medikation der Symptome von ADHS?
In diesem Vortrag, der sich an Frauen ab 25 Jahren richtet gehen wir dem auf die Spur. Wissenschaftlich fundiert, inklusive Ressourcen in Form von Studien und Anlaufstellen die ich dir zur Verfügung stelle.
Wann: Sa, 11. April 2026 14:00 – 15:30 Uhr, online
Für wen: Betroffene Frauen ab 25 Jahren und Fachpersonen
Deine Investition: 35 CHF
